“Rosen II” von Oskar Kokoschka
Das lang verschollene Bild!

Oskar Kokoschkas „Rosen II“ zeugt von einer unglaublichen Geschichte, die mittlerweile drei Generationen von Sammlern und Experten in Atem hält. Das 1925 entstandene Werk galt lange als verschollen,nun wurde es am 7. Dezember 2012 versteigert – auf der weltweit ersten Live-Auktion im Internet. Der Startpreis lag bei nur 5.000 €, versteigert wurde es für 9.285 € (inkl. Käuferaufgeld).


Oskar Kokoschkas Gemälde „Rosen II“

Eine Geschichte mit zwei Seiten

Die Geschichte des Rosengemäldes hat ihren Ursprung im Jahr 1966. Als leidenschaftlicher Kunstsammler und großer Bewunderer von Oskar Kokoschkas Werken ersteigert der Bremer Geschäftsmann Wolfgang Ritter das Gemälde beim Kunsthaus Lempertz für die Summe von 90.000 DM.

Als der ehemalige Leiter des renommierten Tabakunternehmens Martin Brinkmann AG 1993 stirbt, entscheiden sich seine Erben dafür, die beachtliche Gemäldesammlung bei Sotheby’s zu versteigern. Im Zuge dessen sollen auch drei Kokoschka-Bilder geschätzt werden, unter anderem „Rosen II“. Dieses ist im ersten Werksverzeichnis des Künstlers aufgeführt (Wingler Nr. 190) und dort zweifelsfrei als Original bestätigt. Es handelt sich dabei nach persönlicher schriftlicher Bestätigung von Oskar Kokoschka um eine „Skizze“ zu einem seiner Stillleben (Wingler Nr. 204), entstanden in „Scheveningen, 1925“ (siehe dazu unten den Abdruck des Kokoschka-Schreibens an Lempertz aus dem Jahr 1966).


Ein 1993 mit der Schätzung betraute Experte hegt jedoch Zweifel an der Echtheit von „Rosen II“. Denn auf der Rückseite des Gemäldes befindet sich ein weiteres Bild, das ganz offensichtlich nicht von Kokoschka stammt. Auch die Witwe des 1980 verstorbenen Malers äußert, dass ihr Mann niemals ein bereits bemaltes Stück Leinwand verwendet habe. Ein Fachmann soll dem Fall weiter auf den Grund gehen. Doch dazu kommt es nicht: Er erkrankt und meldet sich nicht mehr bei Familie Ritter. Das Bild gerät in Vergessenheit.


Fast zwanzig Jahre später stoßen die Enkel von Wolfgang Ritter beim Aufräumen auf ein Gemälde. Sie beauftragen Auctionata, es zu schätzen.


Unsere Experten brauchen nicht lang, um Urheber und Titel des Bildes auszumachen: Es handelt sich zweifelsohne um das verschollen geglaubte „Rosen II“ von Oskar Kokoschka.
Am 7. Dezember 2012 wurde das Gemälde nun von Auctionata versteigert – auf der weltweit ersten Live-Auktion im Internet. Die geschichte von „Rosen II“ fand damit einen weiteren Höhepunkt. Eine Geschichte, die wie das ursprüngleiche Gemälde selbst, zwei Seiten hat. Die eine lebt von dem Wort Oskar Kokoschkas, der das Bild seiner Zeit unbestritten als Original anerkannte. Die andere beruht auf dem zweiten Werkverzeichnis, in dem es nun unter Vorbehalt aufgeführt ist und dessen Autoren bis heute an dem Bild zweifeln.

Wichtiger Hinweis:
Auctionata weist ausdrücklich darauf hin, dass das Werk von J.Winkler und K. Erling in ihr Werkverzeichnis von 1995 nur unter Vorbehalt aufgenommen wurde. Es liegen daher Zweifel hinsichtlich der Authentizität dieses Werkes vor. Ein Erwerb erfolgt insoweit auf eigenes Risiko!

Auctionata veröffentlicht hiermit eine weitere Experten-Stellungnahme zu dem Gemälde „Rosen II“, die uns am 24. November 2012 erreicht hat. Wir halten fest, dass nach unserem Kenntnisstand die Mehrheit der Autoren dieser Stellungnahme "Rosen II" anhand von Fotos besprochen hat. Materialwissenschaftliche Untersuchungen wurden nicht durchgeführt.

Ein Satz aus der Stellungnahme sei vorweg hervorgehoben:

„Es ist nicht auszuschließen, dass Kokoschka das Gemälde als Freundschaftsdienst nachträglich anerkannte, um den finanziellen Schaden von Hahn zu begrenzen.“

Hier wird in den Raum gestellt, dass Kokoschka Beihilfe zu einer Betrugshandlung geleistet haben könnte. Konkret könne nicht ausgeschlossen werden, dass Kokoschka wider besseres Wissen ein gefälschtes Bild authentifiziert habe, um einem Freund, dem Kunsthändler Hahn, den Weiterverkauf ohne finanziellen Schaden zu ermöglichen, und somit zum finanziellen Schaden eines unwissenden Dritten - in concreto des mit Kokoschka persönlich bekannten Industriellen Wolfgang Ritter.

Tatsache ist, dass in dieser Stellungnahme gravierende Anschuldigen gegen Personen, die sich nicht mehr zu Wehr setzen können, in den Raum gestellt werden. Auctionata distanziert sich hiermit ausdrücklich von der Mutmaßung, Oskar Kokoschka könnte im Zusammenhang mit dem Gemälde „Rosen II“ in einen Betrug verwickelt gewesen sein. Die Veröffentlichung der Meinungsäußerung durch Prof. Dr. Régine Bonnefoit, Dr. Katharina Erling und Prof. Dr. Heinz Spielmann ist im Sinne der Transparenz erfolgt und wurde von Auctionata weder gekürzt noch verändert.

Stellungnahme vom 24.11.2012 per Email übersendet:

Nach eingehender Prüfung der Sachlage und Anhörung der beiden international anerkannten Kokoschka-Spezialisten Prof. Dr. Heinz Spielmann und Frau Dr. Katharina Erling erklärt die Fondation Oskar Kokoschka in Vevey (CH) das von Auctionata angebotene Stilleben Rosen II für eine Fälschung. Diese Feststellung ergibt sich aus 1) dem stilistischen 2) dem technischen Befund und wird 3) durch die Quellenlage untermauert.

1) Ein Vergleich mit authentischen Blumenstilleben von Kokoschka aus dem Jahr 1925 [Johann Winkler, Katharina Erling, Oskar Kokoschka. Die Gemälde. 1906-1929, Salzburg 1995, Nr. 208-211] zeigt, dass in Rosen II ein völlig anderer Pinselduktus vorliegt. Auch das Monogramm „OK“ in der rechten unteren Ecke entspricht nicht Kokoschkas Handschrift, wie ein Blick auf die zitierten Vergleichsbeispiele zeigt. Den teilweise abgeriebenen Blumenköpfen fehlt Volumen und Raumtiefe. Die Blüten links oben sind völlig unorganisch und nur formelhaft und flächig angedeutet. Besonders befremdend sind die schematisch gesetzten diagonalen Pinselstriche, die eine Tischplatte andeuten sollen. Kokoschka modelliert die Rundung der Vasen in seinen Blumenstilleben mit pastosen Pinselstrichen, während in Rosen II nur eine flache, dunkelgrüne Farbfläche gegeben ist.

2) Die Leinwand trägt rückseitig noch ein weiteres Blumenstilleben, das ebenfalls von der Hand eines unbekannten Malers stammt. Eine eingehende Untersuchung der Leinwand durch Katharina Erling hat ergeben, dass dieses Gemälde zuerst entstanden ist. Dies zeigen laut Frau Erling die Knicke in der Leinwand, die Beschneidung derselben auf das Format von Rosen II und die Nagellöcher für den Keilrahmen eindeutig. Erst nachdem die Leinwand umgekehrt und neu aufgezogen wurde, entstand auf der neuen Vorderseite Rosen II. Wie Olda Kokoschka zu Lebzeiten bestätigte, hätte Kokoschka niemals eine Leinwand benutzt, auf deren Rückseite bereits ein anderer Maler ein Stilleben gemalt hat. Heinz Spielmann fügte als Argument gegen eine Zuschreibung an Kokoschka hinzu, dass er kein authentisches Gemälde des Künstlers kennt, indem der Keilrahmen auf diese Weise genagelt ist.

3) Kokoschka soll die Authentizität des Gemäldes für die Lempertz-Auktion 488 vom 14./15. Juni 1966 nach einem Foto bestätigt haben, doch finden sich frühere Quellen, in denen der Künstler das Gemälde als Fälschung bezeichnet. Rosen II wurde 1949 in München von Kokoschkas Sammler-Freund Willy Hahn ohne vorherige Absprache mit dem Künstler erworben. In einem Brief an Hahn vom 2. April 1953 [Briefedition, Bd. 3, S. 273] schreibt Kokoschka: „Auch mir tut die Fälschung leid, […]“. Hahn antwortete darauf am 10. April 1953: „1949 erwarb ich es [das Porträt von Rachel Bondi] zusammen mit dem Ihnen ominösen Blumenstück in München. Ich kann immer noch nicht recht glauben, daß das eine veritable Fälschung sein soll.“ Hahn zeigt sich in dieser Briefstelle über Kokoschkas Mitteilung, dass das Blumenstilleben eine Fälschung ist, erstaunt. Es ist nicht auszuschliessen, dass Kokoschka das Gemälde als Freundschaftsdienst nachträglich anerkannte, um den finanziellen Schaden von Hahn zu begrenzen. Johann Winkler und Katharina Erling haben ferner1995 die Möglichkeit erwogen, dass Kokoschka beim Anblick des Fotos Rosen II diese mit seiner Ölskizze [Gemäldekatalog, Nr. 209] zum Stilleben Blumen am offenen Fenster [Ibid., Nr. 210] verwechselt habe. Rosen II ist weder in den Geschäftsbüchern der Galerie Paul Cassirer verzeichnet – die Einträge für die Gemälde des Jahres 1925 sind dort nahezu lückenlos –, noch ist es in der frühen Literatur erwähnt oder durch Ausstellungen zu belegen. Die Gründe für die nachträgliche Anerkennung des Werks durch Kokoschka lassen sich nicht genau rekonstruieren. Die unter Punkt 1) und 2) genannten Argumente schliessen jedoch die Autorschaft Kokoschkas eindeutig aus.

Prof. Dr. Régine Bonnefoit, Dr. Katharina Erling und Prof. Dr. Heinz Spielmann

„Auctionata schafft das Einmalige:
Eine große Bandbreite hochwertiger Objekte,
die allesamt von ausgewiesenen Experten geprüft
sind, kommen erstmals live und exklusiv in
einem Internet-Auktionssaal zur Versteigerung!“

Victor Wiener, Kurator, Auctionata
Victor Wiener

Oskar Kokoschka

Oskar Kokoschka
Oskar Kokoschka

Oskar Kokoschka zählt zu den bedeutendsten Vertretern des Expressionismus.

Kokoschka wurde am 1. März 1886 in Pöchlarn bei Wien geboren. Er schuf Portraits, Landschafts- und Städtebilder. Darüber hinaus betätigte er sich als Graphiker, Bildhauer und Schriftsteller.

Oskar Kokoschka studierte von 1905 bis 1909 an der Wiener Kunstgewerbeschule, wo er durch Gustav Klimt und den Jugendstil Anreiz zur Malerei bekam. Nach einem einjährigen Aufenthalt in Berlin kehrte er nach Wien zurück. Hier schuf er, angeregt vom Kubismus, Ölbilder mit biblischer Thematik. Seine unerfüllte Liebe zu Alma Mahler war ebenfalls ein zentrales Bildthema. Im Zeitraum von 1912 bis 1923 lehrte er als Professor an der Akademie Dresden.

Von 1914 bis 1916 leistete er Kriegsdienst, wobei er aufgrund von Verwundungen einen längeren Sanatoriumsaufenthalt in Dresden hatte. Ab 1916 begann seine zweite, expressionistische Schaffensperiode in Dresden. Hier entstanden großformatige, lithographische Zeichnungen.

Kokoschkas großer Durchbruch gelang in den 20er Jahren. Von 1924 bis 1930 unternahm er Reisen durch Europa, Vorderasien und Nordafrika. Die Eindrücke der Städte und Landschaften hielt er in Ölmalereien fest. Nachdem er von 1934 bis 1938 in Prag gelebt hatte, emigrierte er nach London, wo er die britische Staatsbürgerschaft annahm.

Im Dritten Reich wurde sein Werk der "entarteten Kunst" zugeordnet. 1937 schuf er sein Werk „Selbstbildnis als entarteter Künstler“ als Gegenreaktion auf die nationalsozialistischen Repressalien in der Kunst.

Oskar Kokoschka war Teilnehmer der documenta 1 (1955), der documenta II (1959), und auch der documenta III im Jahr 1964 in Kassel.

Kokoschka starb am 22. Februar 1980 in Montreux und wurde auf dem Friedhof in Clarens beigesetzt. Nach seinem Tod wurde der Oskar-Kokoschka-Preis für Leistungen auf dem Gebiet der bildenden Kunst ins Leben gerufen.

Auf internationalen Kunstauktionen erzielten Gemälde von Oskar Kokoschka bis Dato Zuschläge von bis zu 2 Millionen Euro.