Eine Uhr aus dem Weltraum?

Wenn man gebrauchte Uhren verkauft, gibt es ein paar Dinge, auf die man häufig stößt und die nicht so sind, wie die Leute meinen. Eine der am häufigsten falsch interpretierten Uhren ist die Omega Speedmaster, eine Uhr, die von den Apollo-Astronauten der späten 1960er und der frühen 1970er Jahre im Weltraum getragen wurde und die nach der Mondlandung eine spezielle Gravur auf der Rückseite trug, die besagte, dies sei „die Armbanduhr, die auf dem Mond getragen wurde“. Für den unwissenden privaten Besitzer könnte eine solche Gravur dahingehend verstanden werden, dass diese spezielle Uhr im Weltraum getragen worden sei. Unglücklicherweise zeigt gerade diese Werbegravur, dass es sich nicht um eine Uhr handelt, die im Weltraum getragen wurde, da nur Uhren ohne diese Gravur dort getragen wurden (und weniger als insgesamt 100 Stück haben in diesem Zeitraum überhaupt die Atmosphäre verlassen).

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  • Armbanduhren und Taschenuhren

Eines Tages, als ich im Auktionshaus Sotheby's in New York arbeitete, erhielt ich einen Anruf einer Frau, die behauptete, eine Uhr zu besitzen, die im Weltraum getragen wurde.


Eines Tages, als ich im Auktionshaus Sotheby's in New York arbeitete, erhielt ich einen Anruf einer Frau, die behauptete, eine Uhr zu besitzen, die im Weltraum getragen wurde. Ich war sofort misstrauisch, da wir alle paar Monate Anrufe wie diesen erhielten und ich dem Besitzer erklären musste, dass seine Uhr nicht im Weltraum getragen wurde. Als ich mit dieser Kundin sprach, stellte ich jedoch einige Fragen, um mehr Hintergrundinformationen über sie und die Uhr selbst zu erhalten. Es stellte sich heraus, dass sie die Uhr von ihrem Vater Donn Eisele erhalten hatte, einem der drei Astronauten, die im Oktober 1968 mit der Apollo 7 in den Weltraum fuhren. Er hatte diese Uhr im Weltraum getragen, hatte sie nach seiner Rückkehr zur Erde aufbewahrt und nach seinem Tod im Jahr 1987 seiner Familie hinterlassen.

Ich war an dieser Geschichte sehr interessiert und wir verabredeten ein Treffen, damit sie mir die Uhr zeigen konnte.


Sie kam mit ihrem Bruder und ihrer Mutter, der Witwe von Eisele, in mein Büro. Sie zeigte mir die Uhr, die wie eine ganz typische Omega Speedmaster aus der Mitte der 1960er Jahre aussah, außer dass an der Seite des stählernen Uhrengehäuses eine offiziell aussehende Seriennummer eingraviert war. Die Uhr war auch ein sehr unübliches und kurzlebiges Modell, das nur für ein paar Monate produziert wurde. Die NASA hatte ihre Uhren während dieses kurzen Zeitfensters gekauft. Aufgrund der kurzen Produktionszeit erscheinen solche Uhren selten auf dem Markt, da es nur eine Handvoll davon gibt. Ich begriff schnell, dass diese Uhr wahrscheinlich genau das war, was die Familie behauptete, und dass es wunderbar wäre, diese in einer Auktion zu verkaufen.

Die Geschichte der NASA und der im Weltraum getragenen Uhren ist sehr spannend und interessant. Schon in den 1960er und 70er Jahren, als das Apollo-Programm aktuell war, kümmerte sich die NASA nicht wirklich darum, Gegenstände, die im All gewesen waren zu sichern, da sie nicht wusste wie stark der Sammlermarkt, der folgte, sein würde. Astronauten durften stets kleine Gegenstände auf ihren Flug mitnehmen, damit sie diese bei Werbeveranstaltungen verteilen konnten, wenn sie zurück waren (kleine Dinge wie Miniaturflaggen, Briefmarken und Pflaster), aber die Agentur verlangte nicht, dass Gebrauchsgegenstände wie Uhren nach den Flügen zurückgegeben wurden, da man sie sie nicht als wertvoll ansah (die Uhr kostete wahrscheinlich weniger als 50 Dollar, als man sie in den späten 1960er Jahren neu kaufte). Daher behielten die meisten Astronauten ihre Uhren und trugen sie häufig an jedem Tag, nachdem sie zurückgekehrt waren. Dies war auch bei Eisele und seiner Omega der Fall.

In den 1980er Jahren wurde jedoch klar, dass es einen starken Zweitmarkt für diese „Weltraumuhren“ gab, so dass die NASA in dem Bestreben, den Handel dieser Stücke zu kontrollieren, behauptete, dass alle Uhren, die im All getragen wurden, eigentlich der Agentur gehörten und den Astronauten nur „geliehen“ wurden (viele von ihnen hatten die Uhren seit vielen Jahren getragen).

Wir waren mit der Auktion in einem Dilemma, denn, wenn die Uhr echt war und tatsächlich von Eisele im Weltraum getragen worden war, wie seine Familie glaubte, konnten wir sie eigentlich nicht verkaufen (da Eiseles Familie das Stück genau genommen nicht besaß), aber wenn es keine Uhr wäre, die im Weltraum getragen worden war, dann hätte sie keinen besonderen Wert. Ich fand heraus, dass zuvor noch keine Uhren aus dem Apollo-Programm öffentlich verkauft worden waren, einfach weil die NASA stets eingeschritten war und die Stücke von den Familien oder den Astronauten selbst zurückforderte, bevor sie verkauft werden konnten.

Ich fand ein Dokument der NASA, das alle Seriennummern der Uhren aus der Apollo-Ära, die die NASA besessen hatte, auflistete. Dies war einfach eine Liste der Seriennummern und der entsprechenden Astronauten. Jeder Astronaut hatte sogar zwei Nummern und damit zwei Uhren, die ihm zugeteilt waren. Die betreffende Eisele-Uhr hatte die Seriennummer 38 und als ich auf das NASA-Dokument sah, fehlte genau diese Nummer - die Nummern bis 37 waren aufgelistet und auch die Nummer 39 und die höheren Nummern standen auf der Liste. Es gab jedoch eine andere Uhr auf der Liste, Nummer 34, die laut Liste von Eisele getragen wurden.

Es war eine Enttäuschung, keine genaue Bestätigung auf der Liste zu finden, und dies schien einfach ein merkwürdiges bürokratisches Versäumnis zu sein. Die Uhr trug dennoch die korrekten NASA-Seriennummern, (wenn man sie mit den Bildern anderer NASA-Uhren in Museumssammlungen verglich) wurde jedoch von der Familie als ein Stück beschrieben, das im All getragen worden war. Dies ist ein wichtiger Faktor, da das Wort der Astronauten und ihrer Familien bei Raumfahrt-Souvenirs als endgültige Bestätigung der Echtheit gilt.

Wenige Tage später fanden wir ein Foto von Eisele, das am Tag des Starts im Jahr 1968 aufgenommen wurde. Auf dem Bild sitzt er in seinem Raumanzug im Vorbereitungsraum, im Begriff, die Apollo-Kapsel zu betreten, und er trägt zwei Uhren gleichzeitig, an jedem Handgelenk eine. Es sieht so aus, als wäre eine dieser Uhren die Nummer 34 und die andere unsere Uhr, Nummer 38. Wir konnten nun sehen, dass er zwei Uhren im Weltraum getragen hatte, auch wenn nur eine davon in den offiziellen Unterlagen aufgelistet war.

Mit den neunen Erkenntnissen wandten wir uns schnell an die NASA und erklärten, dass, auch wenn die Uhr nicht in der Liste der Seriennummern auftauchte, sie nahezu sicher das richtige Stück war. Zu meiner großen Überraschung erklärten sie mir, dass sie ihr Eigentum daran nicht geltend machen könnten, aber auch die Auktion des Stückes nicht verhindern könnten.

Dies war eine unglaubliche Entwicklung. Im Grunde genommen hatten wir eine Uhr, die nahezu sicher im Weltraum getragen worden war, wenn wir uns auch ihrer Geschichte nicht absolut sicher sein konnten. Aufgrund eines merkwürdigen Schreibfehlers auf einem Regierungsdokument konnte sie nicht gänzlich als Weltraum-Uhr bestätigt werden, jedoch konnte auch ihr Verkauf nicht verhindert werden.

Wir führten den Verkauf der Uhr durch und er weckte gewaltiges Interesse bei den Omega-Sammlern und den Sammlern von Raumfahrt-Souvenirs. Der Endpreis lag bei 205.000 Dollar; sie war bis zu diesem Zeitpunkt die teuerste Omega Speedmaster, die jemals bei einer Auktion verkauft wurde. Es war klar, dass wir nach all unserer harten Arbeit, den Hintergrund der Uhr zu untermauern, zwei interessierte Sammler fanden, die, genau wie wir, glaubten, dass dies die Uhr war, die Donn Eisele bei der Apollo-7-Mission im Weltraum getragen hatte.