Türkischer Kaffee

Bei Auctionata schätzen wir regelmäßig Gegenstände aus der ganzen Welt. An diesem Tag erreichte mich eine Anfrage aus der Wiener Vorstadt. Die angehängten Fotos zeigten eine kleine Sammlung Porzellan – Alt-Wien, Augarten und Meissen. Die Stücke wurden geerbt und sollen nun versteigert werden. Das möchte ich mir gerne mal genauer anschauen, dachte ich mir. Und da ich zufällig in der Stadt war, rief ich die Erbin kurzerhand an und vereinbarte einen Besichtigungstermin.

Nur ein paar Stunden später saß ich im Wohnzimmer der netten Dame und studierte eine Inventurliste. Es wird Kaffee serviert, in einem – selbst für Wiener Verhältnisse – orientalisch anmutenden Service. Mir fällt gleich die schöne Glasur auf, die Schwere der einzelnen Teile und die filigrane Bemalung. Wir diskutieren über die Porzellan-Sammlung und schnell wird klar, sie wurde auch anderen Auktionshäusern angeboten. Da kommt es meistens darauf an, wer „am besten schätzt“.

Antoine Bauernfeind

  • Volkskunst
  • Möbel 17. bis frühes 19. JH
  • Kunstgewerbe Gotik bis Historismus

„Sagen Sie, dieses Kaffeeservice, steht das auch zum Verkauf?“ „An sich schon, aber das hat ja keinen Wert“


Wir einigen uns, dass ich eine Kopie der Liste erhalte, und mich in ein paar Tagen wieder melde. Ich leerte den letzten Schluck Kaffee aus meinem Becher und machte mich wieder auf den Weg. Doch bevor ich ging, stellte ich noch eine letzte Frage: „Sagen Sie, dieses Kaffeeservice, steht das auch zum Verkauf?“


„An sich schon, aber das hat ja keinen Wert“, antwortete die Frau mit einem mitleidigen Blick, den ich noch heute gut in Erinnerung habe. „Wenn das so ist, würde ich es gerne mitnehmen und einem Kollegen zeigen.“

Das Kaffeeservice durfte ich mitnehmen, aber die Porzellan-Sammlung erhielt leider jemand anderes. Doch wie sich später herausstellte, war das gar nicht so schlimm. Denn das Service erzielte bei unserer Auktion mehr als alle Porzellane zusammen: 22.000,- Euro!