Die geheimnisvolle Hand des Schicksals

Beim Sammeln von Kunst scheint der Vorgang der Entdeckung manchmal vom Schicksal bestimmt. Ich erinnere mich an einen solchen Vorfall vor mehr als zwei Jahrzehnten, der sich in meiner Erinnerung von den anderen abhebt.

Ich besuchte ein traditionsreiches Antiquitätengeschäft, das sich in einer großen alten Villa an der Westküste der USA befand. Zwischen den vielen wunderbaren dekorativen Kunstwerken und Möbelstücken, die auf drei Etagen ausgestellt waren - sah ich etwas, das wie ein originales persisches Miniaturbild aus dem 17. Jahrhundert aussah, in einem farbenprächtigen alten Rahmen in einen schummerigen kleinen Treppenhaus hängen.

Bei näherer Betrachtung entdeckte ich, dass es wie ein bedeutendes illustriertes Blatt des Schahname des Dichters Firdausi aussah, gemalt im Stil eines der größten Künstler des safawidischen Persiens des 17. Jahrhunderts.

Mitche Kunzman

  • Indische Miniaturmalereien & Miniaturzeichnun- gen

Beim Sammeln von Kunst scheint der Vorgang der Entdeckung manchmal vom Schicksal bestimmt


Der verblasste Aufkleber zeigte einen überraschend niedrigen - wenn auch nicht unerheblichen - Verkaufspreis von 800 Dollar! Dieses Bild hatte dort offensichtlich einige Zeit gehangen. Verwirrt ging ich die Treppe hoch - beendete meinen Rundgang - verabschiedete mich und kehrte nach New York zurück. Zurückblickend vermute ich, dass sogar dieser Preis mir zu dieser Zeit zu hoch erschien, um ein Risiko einzugehen

Aber nachdem ich nach New York zurückgekehrt war, begann ich mich zu fragen, warum ich die Miniatur eigentlich nicht gekauft hatte. Was dachte ich? War es, weil billige Werke der Imitatoren des Künstlers so häufig auf dem Markt auftauchten und es schwer war, in diesem schlechten Licht sicher zu sein? Aber dieses Exemplar sah wirklich nach der Hand des Meisters aus. Die Frage plagte mich zwei Jahre lang bis zu meinem nächsten Besuch an der Westküste. Bevor ich das Geschäft erneut besuchte, beruhigte ich mich selbst, dass ich mir keine Sorgen zu machen brauchte, da sogar die größten Meisterwerke persischer Miniaturmalerei leicht unerkannt bleiben könnten, da nur wenige Leute tatsächlich von ihnen wissen.


Es kann gut immer noch da sein - ich vertraute, dass das Schicksal es mir noch einmal anbieten würde.

Sobald ich dort war, stieg ich dasselbe Treppenhaus erneut hinauf - und tatsächlich - das Bild war noch da! Diesmal kaufte ich es, ohne zu zögern, zum vollen Verkaufspreis. Als ich nach Hause kam und es aus seinem alten verblassten Rahmen nahm, zeigte sich noch mehr von der Seite. Ich stellte fest, dass die Miniatur in einem hervorragenden Zustand war und erst dann war ich überzeugt, dass es in der Tat aus der Hand des Meisters stammte - da es nichts weniger als seine eigenhändige Signatur trug - und zweifellos aus dem sehr bedeutenden, aufgelösten Schahname von Firdausi, das auf 1649 datiert wird! Weitere noch vorhandene Blätter waren in der Rothschild-Sammlung und im Fogg-Museum gewesen.

Früher - zehn Jahre zuvor - war ein anderes Exemplar aus derselben seltenen Reihe bei einer Auktion in London für über 19.000 Pfund Sterling verkauft worden!

Beim Kunstsammeln belohnen die rätselhaften Wendungen des Schicksals häufig das Studieren und Lernen vor allem anderen. Und man weiß nie, was man vielleicht unerwartet im dunklen Treppenhaus einer alten Villa findet - und noch mal findet - auch wenn man zuerst nicht danach sucht.