Der Besuch der alten Dame

Wir erleben es immer wieder. Die Leute beginnen aus irgendeinem Grund ihren Dachboden oder Keller auszumisten und entdecken dabei die unterschiedlichsten Schätze – und die meisten ahnen noch nicht einmal, dass sie dort gerade auf ein kleines Vermögen gestoßen sind.

Es war Mitte Dezember, als eine ältere Dame uns ihren ausrangierten Weihnachtsschmuck zum Schätzen anvertraut. Die Sammlung passte in zwei Schuhkartons. Sie hätte anlässlich des anstehenden Festes ihre Weihnachtsdekoration neu sortiert, und hier wären jene Teile, die Sie seit der Übersiedlung ins Heim nicht mehr verwenden würde.

„Alles echt Gablonzer, in perfekter Erhaltung, über 100 Jahre alt.“ Viele Figuren, Objekte, ein paar Kugeln. „Was haben Sie sich denn so vorgestellt?“, fragte ich. „Naja, ein paar hundert Euro sollten dabei schon herauskommen, sonst lohnt sich der ganze Aufwand ja nicht“.

Joachim Schmitz

  • Möbel des 19. JH
  • Gemälde 1850 bis ca. 1930
  • Glas und Porzellan des 19. JH

„Das trifft sich gut. So viel hatte ich mir ja für alles zusammen nicht erwartet. Dann nehme ich die Glaskugeln wieder mit.“.“


Natürlich hat jedes dieser Stücke seinen Wert, aber ein Vermögen kommt da trotzdem nicht zusammen.
„Aber gnädige Frau“, platzt es aus mir raus. „Diese Kugel hier ist nicht aus Glas und vor allem, sie ist nicht aus Gablonz!“


Die Frau schaut mich ganz überrascht an. „So? Sie haben Recht. Die ist mir immer schon komisch vorgekommen. Ich habe gar keine Ahnung, wie die da rein gekommen ist.“

„Das macht gar nichts, denn diese Kugel ist mehr wert als alle anderen zusammen! Sie stammt nämlich aus China und dürfte fast 150 Jahre alt sein.“ „Oh!“, sagte die alte Dame. Ich machte ihr folgenden Vorschlag: „Wenn Sie möchten, nehme ich sie mit einem Startpreis von 2.000,- mit in die Auktion.“ „Das trifft sich gut. So viel hatte ich mir ja für alles zusammen nicht erwartet. Dann nehme ich die Glaskugeln wieder mit. Die können meine Enkel bestimmt mal gebrauchen.“